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Gehört es sich, während des Verzehrs von Fleisch über Ethik und Moral zu diskutieren?

Gehört es sich, während des Verzehrs von Fleisch über Ethik und Moral zu diskutieren?

Das Thema Fleisch spaltet immer mehr die Gemüter. (Bild: Getty Images)

An Weihnachten gab es einen köstlichen Kalbsschmorbraten. Dabei haben einige Familienmitglieder über die haltlosen Zustände in der industriellen Fleischverarbeitung diskutiert. Der Gastgeber hat daraufhin den Tisch verlassen. – Mara R., Zürich

Liebe Mara, ich befürchte, dass wir uns langsam daran gewöhnen müssen, dass jede Alltagshandlung als politische Praxis gedeutet werden kann, zu der jeder irgendeine Haltung parat hat. Trotzdem finde ich es weder dem Gastgeber noch dem toten Tier gegenüber hilfreich, sich beim Dinner über die Zustände der Fleischindustrie auszulassen. Vermutlich wird der Gastgeber kein 99-Rappen-Fleisch gekauft haben – und selbst wenn, kann es ja sein, dass er nicht genügend Geld für teures Bio-Fleisch hatte und seinen Gästen trotzdem eine Freude machen wollte. So oder so, das Thema war falsch platziert.

Entweder man ist dagegen, Fleisch zu essen, dann darf man Vegetarier oder Veganer werden. Aber das Essen von jemandem schlechtzureden, der Geld, Mühe und Liebe in die Speise gesteckt hat, und ihm das gesamte Gewicht gesellschaftlicher Fehlentwicklungen vor die Füsse zu kippen, ist doch kränkend und kindisch.

Ich applaudiere jedem, der die Welt ein kleines bisschen besser machen möchte. Aber Freunden oder Verwandten auf die Nerven zu gehen, ist die falsche Ebene: Man kann einen Blog schreiben, ein Ehrenamt übernehmen, der Tierpartei beitreten, es gibt genug Möglichkeiten.

Das ist ein Zitat der Seite von bellevue.nzz.ch

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